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Drohung

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Bunkeranlage Wilhelmsburg im Bau, Frühjahr 1943

Koordiniert und befehligt wurden die Flakbunkerbauten vom Reichsluftfahrtministerium (RLM) in Berlin. Verantwortlich war der Architekt und Generalbauinspekteur Albert Speer, der ab 15. Februar 1942 auch Reichsminister für Bewaffnung und Munition war. Die Baupläne für die Flakbunker entwickelte der Architekt Friedrich Tamms (1904–1980), nach dem Zweiten Weltkrieg Leiter des Stadtplanungsamtes in Düsseldorf. Er verklärte seine Flakturmbauten selbst nach Kriegsende noch als »Schießdome«, in denen das Aufsuchen der Schutzräume wie eine Andacht und die Arbeit an den Geschützen wie ein Gottesdienst gewesen wären.
Friedrich Tamms gestaltete die Flakbunkeranlagen als Wehrbauten. Sie waren in ihrer Grundform dem Kastell nachempfunden. Angesiedelt in Parkanlagen überragten sie an ihren Standorten unübersehbar die städtische Umgebung.

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Entwurf für die Fassade eines Gefechtsturms wie in Hamburg-St. Pauli, um 1941

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Baustelle Flakbunker Hamburg-St. Pauli, 1942

In der Eröffnungsrede zur ersten deutschen Architektur- und Kunsthandwerksausstellung in München 1938 formulierte Adolf Hitler es so: »Der Beton der Befestigungssysteme musste in den Köpfen der Leute zu Beton erst noch werden bevor die ›innere‹ Front nach ›außen‹ gefestigt bestand.« Für Hitler war darüber hinaus »das Wort aus Stein […] überzeugender als das gesprochene Wort«. Konstanty Gutschow, Leiter des Amtes für kriegswichtigen Einsatz in Hamburg, verlangte, vor allem die Eingangsbereiche der Bunker sollten schon äußerlich eine bombensichere Anmutung haben, um der Bevölkerung Sicherheit zu suggerieren.

In Propaganda-Zeitschriften wurden die Flakbunkeranlagen als modernste Kriegsbauwerke im Luftkrieg gegen die Alliierten, als »drohende Türme« und Zeichen der »Wehrhaftigkeit der Heimatfront« gepriesen, wie z. B. in der Zeitschrift Die Woche vom 5. Juli 1944:

Die Woche, 5.7.1944

Betrachtet man die hohen Kosten und den enormen Einsatz von menschlicher Arbeitskraft und Material im Verhältnis zu den tatsächlichen Flugzeugabschüssen war die Luftabwehrtechnik der Flakbunkeranlagen nicht zweckmäßig. Deshalb resümierten die britischen Militärexperten nach dem Ende des Krieges, die Flaktürme seien ein »teures Spielzeug« der Nazionalsozialisten gewesen.

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Die mit Bitumenfarbe geschwärzte Fassade des Wilhelmsburger Flakbunkers, 2009