17slash20

Soldat

Headimage

16-jähriger Flakhelfer auf dem Geschützturm, 1944

»Es wird nicht nur geschwiegen, sonders es wird sogar bekämpft, dass sich jemand erinnert: Fünfzehn- und sechzehnjährige Jungs zur Abwehr von feindlichen Flugzeugen in einem Alter zu schicken, in dem eigentlich das Leben so anfängt, interessant zu werden, und dann dreißig, vierzig Jahre später nicht darüber nachdenken zu dürfen oder zu sollen, was das für ein Wahnsinn und für ein Verbrechen war, ist wiederum für meine Begriffe eine verbrecherische Haltung.« So Dieter Hildebrandt, Kabarettist, Jahrgang 1927, in einem 1978 gesendeten Hörbild über die Luftwaffenhelfer.

Headimage

Weihnachtsfeier der Flakbatterie Wilhelmsburg 1944

Der Flakhelfereinsatz Hamburger Schüler wurde vom Reichsverteidigungsministerium angeordnet. Die Schulämter fertigten Listen der entsprechenden Schülerjahrgänge an. Keiner entkam dieser Rekrutierung, für das Jahr 1944 finden sich in den Akten der Hamburger Schulbehörde nur drei Freistellungsanträge. Der Einsatz der Wilhelmsburger Schüler als Flakhelfer begann nach vierwöchiger Grundausbildung in Bullenhausen an der Elbe im Flakturm Wilhelmsburg und dauerte für die meisten bis Anfang Januar 1945.

Günther Fricke, 1992

Vor der Entlassung aus dem Flakhilfsdienst erhielten die Oberschüler die schriftliche Bestätigung, ihnen werde wegen der direkt folgenden Einberufung zum Reichsarbeitsdienst und anschließendem Wehrdienst zum vorgesehenen Zeitpunkt ihres Abiturs der »Reifevermerk« erteilt. Dieses Papier war einige Monate später nichts mehr wert. Die Folge war: Einige der Betroffenen schafften nach Wiederaufnahme des normalen Unterrichts im Herbst 1945 den Anschluss in ihrer Klasse, andere begannen eine Klasse tiefer und der Rest gab auf. Gegen das Unternehmen, eine ganze Jugendgeneration in einem schon längst verlorenen Krieg zu opfern, regte sich in der Elternschaft damals kaum Widerstand. »Dass Eltern, Lehrer, Geistliche und die deutsche Intelligenz sich gegen diesen Missbrauch von Kindern nicht erhoben haben, gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte«, resümierte 1980 ein ehemaliger Flakhelfer des Jahrgangs 1928.

Headimage

Flakhelfer an einem Geschütz auf einem Wohngebäude, Trettaustraße, 1944