15slash20

Abwärme

Headimage

Synergien einer Nachbarschaft: Abwärme der Industrie als Wärme in Wohnquartieren

Wilhelmsburg ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch seine Nachbarschaft zum Hamburger Hafen ein wichtiges Rohstofflager und Produktionsstandort der deutschen Industrie gewesen. Die großen Raffinerien hatten hier Ölreserven und Tankanlagen. Ölverarbeitende Betriebe, die beispielsweise Palmöl aus den damaligen Kolonialgebieten bezogen, produzierten dort Öle und Fette etwa für Industrie und Kosmetikproduktion.

Heute ist hier ein neuer lokaler Rohstoff  identifiziert: Abwärme aus den industriellen Prozessen. Aus den in Luftlinie 300 m entfernten Nordischen Oelwerken wird Abwärme in den Speicher des Energiebunkers eingespeist. Sie trägt etwa 500 KW Leistung und 4 000 MWh zur Wärmeerzeugung bei, das entspricht einem Anteil von 18 Prozent - als Energiequelle, die keine Ressourcen beansprucht. Sie erhöht im Gegenteil die Energieeffizienz der Nordischen Oelwerke, weil dort weniger Energie zur Kühlung gebraucht wird. Dadurch wird auch die CO2-Effizienz verbessert.

Die industrielle Abwärmenutzung ist daher im Vergleich zur Abwärmenutzung eines Kohlekraftwerkes deutlich klimafreundlicher. Im Kohlekraftwerk wird die Wärme der Stromproduktion entzogen, sie fällt nicht als Abfall nach der Stromproduktion an. Deshalb ist die »Abwärme« aus einem Kohlekraftwerk auch hoch CO2-belastet und bringt kaum Reduzierungen der CO2-Emissionen im Vergleich zum konventionellen Erdgaskessel.

Zwar kann die Höhe des Wärmeüberschusses aus den Nordischen Oelwerken in Abhängigkeit von der Produktion schwanken und scheint wie bei den erneuerbaren Energien zunächst unkalkulierbar zu sein. Doch der Anlagenmix und die Möglichkeit, die Abwärme im Speicher des Energiebunkers zu puffern, fangen die Schwankungen auf. So leistet auch die Abwärme einen kostengünstigen und nahezu CO2-freien Beitrag zu einer zuverlässigen Versorgung.

Headimage

Bau der Vernetzung des Energiebunkers mit der Umgebung, 2012

Die Nordischen Oelwerke haben in den letzten Jahrzehnten produktionsbedingt ihre Nachbarschaft häufig mit unangenehmen Gerüchen belästigt. In den letzten Jahren hat sie bereits in die Modernisierung ihrer technischen Anlagen investiert und wurde 2012 auch behördlicherseits dazu verpflichtet weitere Maßnahmen umzusetzen. Damit werden die Geruchsemissionen deutlich reduziert.

Die Kooperation zwischen den Nordischen Oelwerken und Hamburg Energie ist darüber hinaus wegweisend, weil Industrieunternehmen und Energieversorger eigentlich in verschiedenen Zeitspannen handeln: Ein Industrieunternehmen refinanziert seine Investitionen üblicherweise in wenigen Jahren, ein Wärmenetz wie das des Energiebunkers ist auf mindestens 30 (bis 50) Jahre ausgelegt. Die Menschen profitieren von den langfristigen Lieferbeziehungen, da die Energiepreise kalkulierbar bleiben.